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Die Opfer der Gesundheitsskandale veranstalten die Erste Pharmaopfer-Konferenz 2013 in Berlin


Die Opfer der Gesundheitsskandale veranstalten die Erste Pharmaopfer-Konferenz 2013 in Berlin

Was den Contergan-Skandal, den Blut-AIDS-Skandal, den Duogynon-Skandal, den Yasmin-Skandal und den AntiD-Skandal verbindet:

Gemeinsam sind die skandalösen Umstände, die es zugelassen haben, dass Tausende ihrer Gesundheit beraubt worden sind und ebenso viele an den Folgen der Medikamenteneinnahme gestorben sind.

Gemeinsam ist, dass den Opfern dieser Katastrophen per Gesetz unüberwindbare Hürden in den Weg gelegt werden, wenn sie eine angemessene Entschädigung für den ihnen zugefügten Schaden einfordern.

Gemeinsam ist der jahrelange Einsatz aller Geschädigten für eine gerechte Entschädigung.

Nachdem mehrere Rechtsanwälte beauftragt wurden, die Möglichkeiten der Entschädigung bei Schädigungen durch Medikamente zu prüfen, kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Gesetzgebung einen Anspruch auf Entschädigung zwar vorsieht, die Rechtsprechung aber diesen Anspruch ad absurdum führt.

Das bedeutet, dass Entschädigungen, wenn sie denn überhaupt gezahlt werden, den notwendigen Bedarf der Geschädigten nicht decken.

Deshalb werden die Opfer der Gesundheitsskandale gemeinsam die Erste Pharmaopferkonferenz 2013 in Berlin abhalten.

Ein Ziel ist die Ausarbeitung von Gesetzesvorschlägen, um die verschiedenen Sondergesetze (Conterganstiftungsgesetz, HIV-Hilfegesetz und Anti-D-Hilfegesetz) in das bestehende Arzneimittelhaftungsgesetz zu überführen.

Pharmakonzerne müssen volle Verantwortung für ihre Produkte übernehmen.

Dazu muss der Gesetzgeber den Verbraucherschutz an erste Stelle setzen und die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, damit Ansprüche auf Entschädigung nicht mehr nur auf dem Papier bestehen, sondern auch tatsächlich durchgesetzt werden.

Es gilt, dem Wirtschaftsstandort Deutschland ein Gütesiegel “Pharma in Verantwortung” hinzuzufügen.

Andreas Bemeleit und die Überlebenden des Blut-Aids-Skandals im Netzwerk Robin Blood
http://www.robinblood.org

Sabine Schulze und Cornelia Michel, Geschädigte durch Contergan
http://www.conter21.de

Unsere Kooperationspartner sind:

Andre Sommer, vorgeburtliche Schädigungen durch hormonhaltigen Schwangerschaftstest mit Duogynon
http://www.duogynonopfer.de

Steffen und Brigitte Zimmermann, Hepatitis-C Infektionen nach Anti-D Impfung
http://www.antidhilfe.de

Phillip Mimkes, Coordination gegen BAYER-Gefahren
http://www.cbgnetwork.org

Rechtsanwalt Harro Schultze, Köln

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Andreas Bemeleit, andreas@bemeleit.de, Telefon 040/725 44 990
Sabine Schulze, sabine.schulze@conter21.de, Telefon 040/430 3082

Diesen Text als PDF: Expose

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Über das Forschungsprojekt zur aktuellen Lebenssituation der Contergangeschädigten oder Warum müssen wir über unser Sexualleben Auskunft geben, 
um angemessene Hilfezahlungen zu erhalten?


Vor einigen Tagen fanden wir einen dicken Briefumschlag vor. Wie erwartet, enthielt er den von der Conterganstiftung angekündigten Fragebogen. Er richtet sich an die als solche anerkannten Contergangeschädigten. Der deutsche Bundestag (Drucksache 16/11223) hat dieses Forschungsprojekt gefordert. Hauptbestandteil dieses Projektes ist eine deutschlandweite Befragung mit dem Titel: „Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen“. Dieser umfasst 341 Fragen auf 37 Seiten. Federführend ist das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg in Kooperation mit der Conterganstiftung für behinderte Menschen, Köln.

In einem beiliegenden Anschreiben von Frau Blumenthal, Vorstandsvorsitzende der Conterganstiftung werden wir dazu ermutigt, den Fragebogen sorgfältig auszufüllen, mit der Begründung, die Teilnahme an dieser Studie böte uns „die Gelegenheit, Grundlagen für „Forderungen“ zu schaffen.“.
Hierbei stößt uns auf, dass Frau Blumenthal das Wort „Forderungen“ mit Anführungszeichen versehen hat. Zitiert sie damit die Bewegung der Contergangeschädigten, die seit Jahren für angemessene Entschädigung, Hilfsmittel- und medizinische Versorgung eintritt? Und wenn ja, sind diese Zeichen Ausdruck ihrer Solidarität oder ist es vielmehr ein Indiz dafür, dass Frau Blumenthal sich von unseren berechtigten Forderungen distanziert?

Selbst wenn wir diesen Fragebogen ausfüllen wollten, berücksichtigt er unsere besondere Anatomie nicht. Bei Sabine zum Beispiel ist die Frage nach Arthrose im Bereich der Schultergelenke unpassend, da ihr voll ausgebildete Schultergelenke fehlen. Dasselbe gilt auch für die Fragen nach den Ellbogen und den Handgelenken. Fazit ist, dass auf diese Weise der spezielle Hilfebedarf nicht korrekt und vollständig erfasst werden kann.

Es liegen bereits erhobene Daten zu unseren Folgeschäden und den erhöhten Bedarfen vor, die als Grundlage für Entschädigungszahlungen dienen. Sie sind in Großbritannien und Schweden Berechnungsgrundlage für unterstützende Maßnahmen.
www.icta-kampagne.com

Auf den selbstverständlich auf deutsche Verhältnisse zugeschnittenen Forderungskatalog können wir längst zurückgreifen ICTA Schadensausgleich. Doch die Bundesregierung im Einklang mit der Conterganstiftung will lieber das Rad neu erfinden. Es ist fatal, dass hier Gelder in diese Studie fließen anstatt diese jetzt, direkt und konkret uns zugute kommen zu lassen.

Was nützt uns eine „lebensbegleitende“ Studie, wenn Contergangeschädigte sofort viel mehr Hilfe brauchen? Und ihnen z.B. die Kostenübernahme für notwendige Zahnimplantate verweigert wird! Durch jahrzehntelange Überbeanspruchung des Gebisses, um fehlende Gliedmaßen zu kompensieren, sind Zahnimplantate zur Alltagsbewältigung unabdingbar. Ärzte Zeitung, 17.03.2011

Machen Sie sich selbst ein Bild, hier ein Auszug aus dem Fragebogen:

    202: Betrachten Sie Ihr Leben als sinnvoll?
    206: Wie häufig haben Sie negative Gefühle wie Traurigkeit. Verzweiflung, Angst oder Depression?
    208: Können Sie Ihr Aussehen akzeptieren?
    213: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Schlaf?
    217: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Sexualleben?9
    291: Es kommt vor, dass ich mich einsam fühle.
    292: Ich vermeide Konflikte, weil ich mich abhängig von Dritten fühle.
    293: Ich habe das Gefühl: eine Belastung für andere zu sein.
    294: Ich empfinde Ängste, wenn ich an meine Zukunft denke.
    310: Ich finde, ich habe nichts, was meinen Tod überdauern wird geleistet.

(Quelle: „Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen, und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen“, unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse, Institut für Gerontologie, der Universität Heidelberg, in Kooperation mit der Conterganstiftung für behinderte Menschen, Köln), 2011

Damit verdanken wir der Bundesregierung und der Conterganstiftung, dass wir Fragen zu unserem Sexualleben und Fragen, die ausdrücklich nichts mit der Schädigung zu tun haben, beantworten sollen. Wenn schon Gelder statt den Geschädigten den Betreibern dieser Studie zufließen, erwarten wir mehr als die bloße Übernahme eines auf allgemein-gerontologische Belange ausgerichteten Fragebogens. 
Mehr Einfühlsamkeit für die durch Thalidomid traumatisierten Menschen zum Beispiel. 
Und wo bleibt der allseits beschworene „.Respekt vor den Leistungen der Contergangeschädigten…“ angesichts dieser respektlosen Fragestellungen?
Menschen, die sich infolge der Schädigungen das Leben genommen haben, kennen wir alle. Dass es nun darum geht, diese Fragen beantworten zu müssen, ließ in uns Schmerzen, Verletzungen, Trauer um unsere Behinderungen wieder hoch kommen. Längst hatten wir sie verarbeitet mit Hilfe von selbstgezahlten Therapeuten oder nahen Freunden. 
Suggestive Fragestellungen, die negative Gefühle unterstellen wie auch entwürdigende Fragen nach intimen Details wirken retraumatisierend auf uns. Wer kommt für die Therapiekosten auf, die auf die Wirkungen dieses Fragebogens zurückzuführen sind?

Wird hier mitfühlende Unterstützung für unsere Belange gewährt oder bereichern sich gesellschaftspolitische Gruppen auf unsere Kosten?

Wie lange sollen wir noch auf gerechte Entschädigungszahlungen warten?

Bis zur Auswertung dieser lebensbegleitenden Studie werden einige von uns Opfer der biologischen Lösung sein.

Sabine Schulze
Cornelia Michel

Hamburg, den 03.04.2011

Hier noch der Hinweis auf eine Aktion, die wir sinnvoll finden und unterstützen, weil unser Protest gegen das Forschungsprojekt dann noch mehr Öffentlichkeit bekommt:

Es schreibt:
Untersuchungsausschuss Conterganverbrechen (U.A.C.)
c./ o. Stephan Nuding (Sprecher)
Im Aehlemaar 1c
51467 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202/1882677

An:
Alle Opfer des Conterganverbrechens
– Veröffentlichung und Weiterleitung
erbeten und erwünscht –

Liebe Mitbetroffene,

inzwischen liegen uns – mit monatelanger Verzögerung – die Fragebögen
bzgl. der „Bedarfsforschung“ vor.
Zugeben: Die Fragen übertreffen selbst unsere „kühnsten“ Erwartungen!

Wir sagen: Wir lassen weder unser Sexualleben, noch unsere Einstellung
zu gesellschaftlichen Fragen, unserem privaten Umfeld oder
unserer Lebenseinstellung „erforschen“!

Wir lehnen diese ab, da sie in keinem Zusammenhang
mit unserer Forderung nach Schadensersatz oder unseren
Vergiftungen und Verstümmelungen durch Thalidomid/ Contergan
Stehen!

Wir fordern: Schadensersatz statt pauschalisiertem Hilfsbedarf oder
„noch zu ermittelnder“ Bedarfe!

Aus zahlreichen Briefen und Gesprächen wissen wir, dass viele von
Euch nicht bereit sind den Fragebogen auszufüllen und zurück zu
senden.
Individuelle Verweigerung im Stillen aber nützt nichts!

Machen wir der Conterganstiftung, dem BMFSFJ und der Bundesregierung
klar, dass wir uns nicht länger erforschen, pauschalisieren und
hinhalten lassen!

Daher unsere Bitte:
Sendet die Fragebögen unausgefüllt – wer möchte mit
einem Protestschreiben versehen – an obige Adresse des
U.A.C. bis spätestens 30.4.2011 zurück.
Bitte behaltet die voradressierten Rückumschlage und Einverständnis-
erklärungen bei Euch.
Wir möchten nicht, dass man uns eine Manipulation der Forschungsergebnisse
vorwerfen kann.

Die Fragebögen werden wir dann – persönlich und medienwirksam –
der Conterganstiftung übergeben.
Natürlich werden wir den Termin frühzeitig bekannt geben, damit Ihr
dabei sein könnt!

BEDARFSFORSCHUNG?
NICHT MIT UNS!!!!!!

Gerne stehen wir Euch bei Rückfragen zur Verfügung.

Mit herzlichen und solidarischen Grüßen

Gihan Higasi
(stellv. Sprecherin U.A.C.)

Stephan Nuding
(Sprecher U.A.C.)

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„Erfolg hat viele Gesichter“ – Der Aachener Auto-Konvoi


Hintergrund

Der Contergan-Skandal war der erste große Arzneimittelskandal in der Bundesrepublik Deutschland und wurde in den Jahren 1961 und 1962 aufgedeckt. Durch die schädlichen Nebenwirkungen des Beruhigungsmedikaments Contergan, das den Wirkstoff Thalidomid enthielt, war es zu Schädigungen bei einer großen Zahl von Ungeborenen gekommen. Es kam zu Totgeburten, auch starben in den ersten Jahren viele Säuglinge an den Folgen der Schädigungen. Von 5000 zur Welt gekommenen durch Thalidomid Geschädigte leben noch 2700. Sie leiden und sterben an den Spätfolgen.

Im sog. Conterganprozess Ende der sechziger Jahre kam ein Vergleich zustande. Mit diesem Vergleich wurden die ursprünglichen Schadensersatzansprüche in Höhe von 10 Milliarden DM auf 100 Millionen DM reduziert. Denn die Eltern mußten auf die Ursprungsansprüche verzichten, um die 100 Millionen DM aus dem Vergleich zu erhalten. Um die Sache endgültig zu regeln, wurde mit dem Conterganstiftungsgesetz eine Stiftung „Hilfswerk für behinderte Kinder“ gegründet. Gleichzeitig enthielt dieses Gesetz eine gesetzliche Regelung, die jegliche Geltendmachung von weiteren Schadensersatz-ansprüchen der Geschädigten gegen die Herstellerfirma Grünenthal für immer ausschloss. Mit dieser Regelung ist auch der Ausschluss aller zukünftigen Ansprüche festgeschrieben. Die Geschädigten warten deshalb bis heute vergeblich nicht nur auf eine gerechte Entschädigung, sondern auch auf die Anerkennung der gravierenden Folgeschäden. Weitere Informationen: www.gruenenthal-opfer.de

Monika Koop selber durch Thalidomid geschädigt und ihr Mann Rüdiger engagieren sich für eine gerechtere Entschädigung und nehmen an Aktionen teil, die dieses zum Ziel haben. Der folgende Bericht basiert auf ihren Schilderungen.

Bericht nach einem Interview mit Monika und Rüdiger Koop

Aktionen

Als im Oktober 2010 der BCG – Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer zum Auto-Konvoi aufrief und sie das spannende Aktionsprogramm lasen, entschieden sich Monika und Rüdiger sogleich, dem Ruf zu folgen und mitzufahren. Gemeinsam mit etwa 60 weiteren Thalidomid-Geschädigten, Angehörigen und Freunden machten sie sich aus dem gesamten Bundesgebiet auf den Weg, um mit ihrem PKW einen Konvoi der besonderen Art zu bilden. Darunter waren auch Interessenvertreter des Untersuchungsausschusses Conterganverbrechen (U.A.C.) wie auch der Internationalen Contergan / Thalidomid Allianz.

Das Besondere dieser Aktion war der Plan, die einzelnen Privathäuser der Gesellschafter des Wirtz-Konsortiums aufzusuchen, ihnen ihr Gesicht zu zeigen. Auch die Spuren, die die Schädigungen wie auch das erlittene Unrecht hinterlassen haben, sollten sichtbar werden. Insgeheim schwang auch die Hoffnung mit, dass sich der ein und andere Eigner mutig und verantwortlich zeigt und sich von Angesicht zu Angesicht den Geschädigten stellt.

Parkender Konvoi in der Nähe des Anwesens von Dr. Hermann Wirtz Foto: Rüdiger Koop

Parkender Konvoi in der Nähe des Anwesens von Dr. Hermann Wirtz; Foto: Rüdiger Koop

Am Morgen des 6. Novembers 2010 fanden sich trotz des regnerischen Wetters 35 PKW zu einer beachtlichen Länge von über 350 Metern hinter den Toren der Grünenthal-Firma in Aachen ein, dem Aufstellungsort des Konvois.

Pünktlich um 11 Uhr setzte sich die Autoschlange in Bewegung, freundlich eskortiert von 4 Polizeiwagen und 4 Polizeimotorrädern. Überhaupt sei die Polizei sehr hilfsbereit gewesen und habe die Teilnehmer kompetent in die Regeln eines Konvois eingeführt, so Monika. Sie sollen so fahren, als wären sie ein Auto, habe einer der Polizisten gesagt.

Und sie wollten so fahren, bis sie gehört und gesehen werden: laut hupend, so, dass die Autohupen heiß liefen, bis sogar eine ihren Geist aufgab. Dazu blinkten die Warnlichter an den PKW und das Ganze bei einer Schrittgeschwindigkeit von 25-30 km/h auch durch die Stadt Aachen.

Kundgebung Foto: Rüdiger Koop

Kundgebung Foto: Rüdiger Koop

Wegpunkte dieses Aufsehen erregenden Auto-Konvois waren die Wohnhäuser von Dr. Hermann Wirtz, Andreas Wirtz, Dr. Franz Wirtz und Michael Wirtz. Vor jedem der Wohnhäuser fand eine Kundgebung statt, am ersten Halt wurde dazu eine Pressekonferenz abgehalten. Reporter von Bild, den Lokalzeitungen und dem WDR waren vertreten.
Schlusspunkt bildete die Abschlusskundgebung auf dem Kaiserplatz in Stolberg, der zudem an das hintere Gelände von Michael Wirtz‘ Gelände grenzte.

Ein vollgepacktes und intensives Programm also, das auch Platz für Emotionen hatte.
Viele Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, ihre angestauten oder lange verdrängten Gefühle über die erlebte Ungerechtigkeit über den Gartenzaun hinweg zu rufen. „Es ist bitter, vor diesen Anwesen zu stehen, während die meisten von uns in Sozialbauten leben müssen. Viele von uns haben bei den Kundgebungen sehr persönliche Dinge gesagt.“ so Andreas Meyer, Vorstandsvorsitzender des BCG. Die luxuriösen Villen waren von der Straße aus oft nicht zu sehen und damit sie sich wirklich Gehör verschaffen konnten, hatte Rüdiger wohlweislich ein Megaphon mitgebracht, durch das Botschaften wie: „Wir kommen wieder Familie Wirtz“ gerufen werden konnte.

Gut war, dass der Regen bald nachließ und alle Beteiligten in ihrem Programm ungestört fortfahren konnten. Da war Andreas Meyer, der vor jedem Haus eine Rede hielt. Stephan Nuding wandte sich in seiner Stellungnahme direkt an die Familie Wirtz. Und all das filmte Nico von Glasow, der jedem anbot, seine Meinung in die Kamera zu sagen. Auf den Film, den er erst zeigen möchte, wenn alle gerecht entschädigt worden sind, sind wir gespannt!

Silbertaler Foto: Rüdiger Koop

Silbertaler Foto: Rüdiger Koop

Bemerkenswert fanden Monika und Rüdiger, dass sich die Anwesen von Andreas Wirtz und Rechtsanwalt Wartensleben in unmittelbarer Nähe befinden. Der Weg zwischen den beiden Grundstücken wurde mit 30 Silbertalern belegt. Rechtsanwalt Wartensleben vertrat im sog. Conterganprozess die Interessen der Firma Grünenthal. Die Deutung dieser symbolträchtigen Aktion bleibt jedem selbst überlassen.

"biologische Lösung" Foto: Rüdiger Koop

"biologische Lösung" Foto: Rüdiger Koop

Um auf die „biologische Lösung“ aufmerksam zu machen, die der Pharmakonzern Grünenthal in Verbindung mit der Bundesregierung abzuwarten scheinen, wurde medienwirksam ein Sarg niedergelegt, in den sich eine Betroffene hineinlegte.

Sehr berührt hat das Paar Koop die Worte einer Tochter, deren Mutter thalidomid-geschädigt ist. Sie fühle sich mit der Pflege ihrer Mutter alleine gelassen, wolle eigentlich studieren, was nicht zusammen passe. Auch sie plädierte für eine angemessene Entschädigung.

Reaktionen und Nicht-Reaktion

Als Info-Flyer in der unmittelbaren Nachbarschaft der Wirtz-Häuser verteilt wurden, reagierten Anwohner und Nachbarn überaus offen und konstruktiv auf die Kundgebungen und den Auto-Konvoi. Die Bevölkerung zeigte sich solidarisch, was beachtlich ist, da viele bei den Dalli-Werken arbeiten.

Monika und Rüdiger empfanden den Auto-Konvoi als ein ganz besonders intensives Gemeinschaftserlebnis. Er symbolisierte auf eindrückliche Weise ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Insgesamt habe zwischen allen Beteiligten eine solidarische Atmosphäre geherrscht, was beide im Nachhinein als sehr positiv einschätzen.

Am Ende dieses langen Tages stärkten sich alle mit heißer Suppe, im DRK-Zelt. Für Monika und Rüdiger, wie auch für die anderen Beteiligten war diese Aktion ein voller Erfolg, auch wenn von Seiten der Grünenthal-Firma jegliche Reaktion bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausblieb.

Monika und Rüdiger Foto: Cornelia Michel

Monika und Rüdiger Foto: Cornelia Michel

Für das kommende Jahr sind weitere Aktionen in der näheren Umgebung von Stolberg geplant. Die Aktivisten wollen im Blickfeld der Verantwortlichen bleiben.
Und da sind ja noch die Magnetschilder, die auf den PKW während des Konvois zu sehen waren. Viele der Teilnehmer, nahmen sie mit. Damit wird „Der Erfolg hat viele Gesichter“ auch in anderen Regionen dieses Landes sichtbar, solange bis die Verantwortlichen zu ihrer Schuld stehen.

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Bericht über „Ihre Kaufentscheidung zählt“- Aktion in der Hamburger Innenstadt am 18.09.2010


Nach unserer ersten Aktion in Hamburg-Wentorf im August, wagten wir uns nun in das hektische Treiben der Innenstadt Hamburgs.

Diesmal waren wir sogar zu sechst und standen bei Wind und Wetter drei Stunden, um Flyer zu verteilen und bisweilen einige Interessierte aufzuhalten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Sabine im Gespräch mit Interessierten

Sabine im Gespräch mit Interessierten

Die Resonanz war mäßig. Viele dachten beim Anblick der Flyer, es handle sich um Werbung für die gezeigten Produkte und machten einen weiten Bogen um uns.

Kamen wir mit Kunden jedoch ins Gespräch, war das Interesse und die Anteilnahme groß.

Es fiel schwer, den Interessierten die Bedeutung und die daraus resultierende Konsequenz der Flyer zu erläutern. Um den Zusammenhang zwischen den Produkten und Contergan besser zu verdeutlichen, sollten die Titelseiten der Flyer und die Plakate um ein Foto oder eine abstrakte Zeichnung von einem Contergangeschädigten ergänzt werden.

Monika und Sabine

Monika und Sabine

Wie auch schon in Wentorf fiel uns wieder auf, dass vielen jüngeren Menschen „Contergan“ nichts sagte.

Erschwerend kam hinzu, dass die von Monika und Rüdiger informierte Presse uns diesmal keine Aufmerksamkeit gewidmet hat. Eine spontane Anfrage bei Radio Hamburg unweit unserer Aktion ergab, dass diese uns bei der nächsten Aktion eventuell unterstützen würden.

Uwe und Sabine trotzen dem Regen

Uwe und Sabine trotzen dem Regen

Sollten wir eine weitere Aktion veranstalten, dann werden wir dies mit Unterstützung von Radio Hamburg versuchen, entweder in einem Einkaufscenter oder/und in der Uni-Hamburg, hierzu hat Gina Kontakte.

Fazit ist, Hamburg ist weit weg von Stolberg und Aachen. Hier ist das Bewusstsein der Allgemeinheit für unsere Belange noch zu wecken.

Cornelia Michel, Hamburg, 20.09.2010

Nachtrag: Diese Aktion ist dennoch sinnvoll und unbedingt nachahmenswert! Je mehr mitmachen, umso mehr Offenheit für Contergangeschädigte und unsere Forderungen!

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Contergan Geschädigte bedrohen die Sicherheit in Berlin


Am Nikolaustag 2008 hatten sich 50 durch Contergan Geschädigte aus Deutschland, Spanien und Großbritannien vor dem Brandenburger Tor getroffen, um für eine höhere Entschädigung zu demonstrieren. Diese Veranstaltung war bei der Polizei angemeldet und genehmigt.
Monika Eisenberg die Internationale Sprecherin der Internationalen Contergan Thalidomid Allianz hatte einen ein Meter hohen Tannenbaum mitgebracht. Daran hatten die Teilnehmer Zettel mit ihren persönlichen Wünschen an die Bundeskanzlerin gehängt.
Als die Demonstration gegen 15.30 Uhr beendet war, hatten einige Teilnehmer die Idee gemeinsam den Tannenbaum bei Frau Merkel vorbei zu bringen, damit die Bundeskanzlerin die Wünsche selbst lesen kann.

Dann setzten sich etwa 15 Teilnehmer zu Fuß oder im Rollstuhl in Bewegung. Zwei Sicherheitsbeamte stoppten sie am Anfang der Straße zum Wohnhaus der Bundeskanzlerin und erklärten, dass nichts abgegeben werden dürfte.

Polizei nimmt den Baum in Empfang

Polizei nimmt den Baum in Empfang

Da die Sicherheitsbeamten nicht wussten, was mit dem Baum geschehen sollte, riefen sie die Polizei. Zwei Polizisten boten an, den Baum im Bundeskanzleramt abzuliefern. Die Beamten luden den kleinen Baum auf den Beifahrersitz und nachdem sie die Personalien von Frau Eisenberg notiert hatten, fuhren sie davon.

Damit war die Veranstaltung endgültig beendet und die Teilnehmer verabschiedeten sich voneinander.

Leider musste Frau Eisenberg jetzt erfahren, dass die Berliner Polizei den Fußmarsch vom Brandenburger Tor zu Merkels Privatwohnung als nicht angemeldeten Demonstrationszug wertet. Aus diesem Grund wurde sie von der Kölner Polizei zu einer Vernehmung vorgeladen.

Jede mediale Aufmerksamkeit ist den durch Contergan Geschädigten recht, auch wenn eine krumm gewachsene Konifere für die Kanzlerin der Anlass ist.

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